Der Fall Tchibo
So’n Griff ins Klo muss auch mal sein…
Eigentlich hätten die Verantwortlichen wissen müssen, dass “Jedem den Seinen” die Heulsusen vom Zentralrat der Juden auf den Plan rufen würde.
Ich bitte dies jetzt nicht falsch zu verstehen und mich aus meiner liberalen Ecke nach rechts zu treten…aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass es mal wieder Zeit wurde, dass sich der Zentralrat selbst auf den Plan der “Tagespolitik” setzen musste. War ja auch lange nix und im Angesicht von israelisch-Palästinensischen Kampfhandlungen im Gazastreifen, kann man ruhig mal eine Kampagne von Tchibo und Esso auf den Prüfstand der Geschichte zerren und lauthals auf die ewige Verantwortung der Deutschen hinweisen…
Um Himmels Willen… Tchibo hat es gewagt “Jedem den Seinen” auf Plakate zu drucken…in der einzigen Intention ein paar Hektoliter Kaffee mehr zu verkaufen…wie verwerflich…
Ich frage jetzt ganz offen: Wer hat im Angesicht dieses Slogans an den Spruch überm Eingang zum Konzentrationslager Buchenwald gedacht? Und zwar bevor die ganze Nummer sowas von hochgekocht wurde, dass ich mir schon wieder an den Kopf fasse und frage, was das wohl soll. Jeder, der ein wenig weltgewandt und interessiert ist, wird dieses Cato-Zitat („suum cuique“) richtig in Verbindung bringen.
Aber immer wieder schön, wie derartige Sachen politisiert werden können…ist ja auch schön bequem um von wirklichen Skandalen abzulenken. Kaffeewerbung ist auch wichtiger als die Tatsache, dass sich zwei Völker nicht einigen können und sich gegenseitig in Israel/Palästina die Köpfe einschlagen müssen.
So sahen sich dann Tchibo und Esso gezwungen die Kampagne auf Eis zu legen und einzustellen…ich finde es immer wieder überaus interessant zu sehen, wieviel Einfluss, gerechtfertigt oder nicht sei mal dahingestellt, der Zentralrat der Juden zu haben scheint. Und wenn ich dann Derartiges zu lesen bekomme: “Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Salomon Korn, begrüßte die Entfernung des Plakats. Dies sei eine „nicht zu überbietende Geschmacklosigkeit“ oder ein Beispiel „totaler Geschichtsunkenntnis“.” Dann bin ich froh, dass ich heute noch keinen Kaffee hatte, der wäre mir dann nämlich wieder hochgekommen! Schreiende palästinensische und israelische Kinder, deren Familien getötet wurden sind natürlich nicht so schlimm, wie ein Slogan auf einem Plakat, bei dem sich ewig Gestrige auf den Schlips getreten fühlen.
Ergebnis dieser Farce: Esso Sprecher Olaf Martin führt die verantwortliche Werbeagentur zur medialen und gesellschaftlichen Schlachtbank und opfert sie den Befindlichkeiten des Zentralrates der Juden. Fein gemacht! Sie habe die historische Bedeutung der Aussage verkannt? Hat sie das? Ich denke nein!
“Jedem den seinen!” Das ist nicht “Jedem das seine”.
Die endgültige Verantwortung für dieses Skandälchen, das nicht mal das ist, liegt endgültig wohl bei Tchibo und Esso, die ja die “historische Tragweite” des Slogans wohl ganz offensichtlich auch nicht erkannten (zurecht?) und ihr Okay zu der Kampagne ja wohl nicht ungesehen gegeben haben.






Ich muss auch sagen, dass es für ziemlich daneben halte, hier auch Krampf eine Assoziation zur Vergangenheit zu suchen.
Wie sieht es eigentlich mit dem Namen “Esso” aus? Der enthält Doppel-s … historisch bedingt auch nicht optimal.
Man könnte behaupten, hier sollte einfach mal wieder ein Exempel statuiert werden, was unglücklicherweise auch funktioniert hat.
Auch die Schüler-Union in Nordrhein-Westfalen hat im Rahmen einer bildungspolitischen Kampagne wohl etwas daneben gelegen …
http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,612757,00.html