Resilienz, Tabula Rasa und eine Lasertaschenlampe: Was Woche 15 lehrt

von Jens Scheider | Okt. 2, 2026 | Podcast | 0 Kommentare


Es ist Folge 15 meines kleinen Business-Podcasts „Speed Dating“ – und zum ersten Mal seit 15 Wochen kann ich ehrlich von Routine sprechen. Jede Woche eine Folge, konsequent rausgeballert. In dieser Episode geht es um Resilienz im Netz, um zwei richtig gute Kundentermine, um PayPal-Phishing, um Nischen-Netzwerke und um einen Mann, der Oliver Pocher heißt.

Resilienz: Der Kommentar, der mich wachgerüttelt hat

Diese Woche habe ich wieder einmal lernen dürfen: Wer im Internet veröffentlicht, muss Gegenwind aushalten können. Anlass war eine kleine Fotostory aus dem Hafen von Lassan – weitwinklige Aufnahmen von Booten, Wasser und der Insel Usedom auf der anderen Seite des Peenestroms, in Snapseed bearbeitet und auf Instagram gepostet. Die Resonanz war durchweg positiv – bis auf einen Kommentar einer Person, die meine Bilder schlicht nicht passend fand.

Mein erster Impuls als sensibler Künstler: rechtfertigen, vielleicht auch ein bisschen sarkastisch werden. Mein zweiter Gedanke war der richtige: Lass es. Ich poste meine Bilder nicht, um Lob zu ernten, sondern aus Überzeugung. Dass andere Menschen das anders sehen, ist legitim, darf so sein und darf auch veröffentlicht werden. Mein neuer Lieblingsspruch der Woche stammt von Oliver Pocher: „Im Flugmodus gibt es keinen Shitstorm.“ Wer Kommentare bewusst nicht registriert, den berühren sie auch nicht.

Eine wichtige Einschränkung: Das gilt für Oberflächlichkeiten wie gepostete Bilder. Geht es gegen Personen – um Beleidigungen, Nötigungen, um die mentale Integrität von Menschen –, dann ist Ignorieren der falsche Weg. Dann gehört demjenigen, der seine Manieren nicht im Griff hat, kräftig auf die Finger gehauen. Und auch ich muss mich immer wieder selbst reflektieren, ob der zackige Kommentar im schwachen Moment wirklich nach außen gehen sollte. Ganz bewusst lehne ich Kraftausdrücke im Netz ab: Wir sollten uns auf freundliche, sachdienliche Kommunikation konzentrieren.

Tabula Rasa beim Kunden: Marketing wieder von vorn denken

Zwei Kundentermine standen diese Woche an – und beide waren eine kleine Messe. Mit einem Stammkunden aus Koserow, dessen Bodenlegerei seit Jahrzehnten für Parkett, Laminat und Vinyl steht, habe ich über zwei Stunden gesprochen und wir haben etwas gemacht, das man immer wieder tun muss: Tabula rasa. Nicht im Sinne von Streit, sondern im Sinne von: Das Problem Marketing und Werbung einmal wieder am Anfang denken. Alles beiseite wischen, die W-Fragen durchgehen – wer, wie, was, wo, wann, warum –, Zielgruppen neu definieren.

Das Ergebnis: ein vollgeschriebenes A4-Blatt, echte Optimierungspotenziale auf der Webseite, die im Laufe des Gesprächs sichtbar wurden, und ganz neue Ideen, die teilweise bewusst offline und klassisch sind. Das Gleiche beim Hotel Elisabeth in Koserow: Für die nächste Saison haben wir einen Fahrplan gesteckt, den wir jetzt schon anleiern können. Genau diese Kunden liebe ich – die aktiv mit mir in den Austausch gehen.

„Ich will dir nichts verkaufen“ – und andere Warnsignale

Die erste Warnung der Woche: Wenn jemand, den du nicht kennst, mit „Ich will dir nichts verkaufen“ oder „Ich schenke dir was“ anfängt, schnüre die Schuhe und lauf. Uns haben die letzten Jahrzehnte eines gelehrt: Geschenkt wird nichts – jeder will dein Bestes, und das ist meistens dein Geld.

YouTube-Werbespot der Woche: Die Lasertaschenlampe

Meine kleine Serie geht weiter. Diese Woche hatte ich bei YouTube eine Werbung für die neueste Lasertaschenlampe – 20.000 Lumen („damit brennst du Löcher ins Eichhörnchen“), Holzäste durchschneidender Laser, böse Buben verscheuchende Lichtschwerter. Alles komplett KI-generiert, in so schlechter Qualität, dass in jedem Frame der Scam erkennbar war. Solange man solche Fantasie-Videos bei YouTube bezahlt, werden sie ausgespielt. Leute: Lasst euch nicht verar***en.

Service-Teil: PayPal-Phishing erkennen

Diese Woche erreichten mich Spam-Mails im Anschein von PayPal: Die angeblich bald ablaufende 30-Tage-Transaktion, zu vervollständigen per Link-Klick. Drei Tipps dazu:

  1. Absender prüfen. Die Mail-Adresse war nicht mal PayPal – erster Hinweis auf Betrug.
  2. Nicht klicken. Auf keine Links in E-Mails, die suspekt erscheinen.
  3. Anrede prüfen. Seriöse Anbieter wie Webprovider sprechen dich mit Namen an – „Sehr geehrte Damen und Herren“ ist ein Alarmsignal.

Regel: Lieber zehnmal gelöscht als einmal falsch geklickt.

Nischen-Netzwerke: Monnet und eYou

Ich teste derzeit kleinere soziale Netzwerke. „Monnet“ aus Luxemburg fühlt sich technisch noch sehr Alpha an. Spannender ist „eYou“ aus Spanien: technisch super gebaut und mit einer interessanten Besonderheit – vor der Veröffentlichung läuft ein Faktencheck (vermutlich KI-gestützt). Das grenzt KI-Slop aus, mit dem anderswo zu jedem Anlass – kürzlich zum Tag des Kaffees – die Timelines geflutet werden. Wer keine echte Tasse fotografieren kann, für die er steht, sollte es bleiben lassen.

Zum Schluss: Motivation und eine geheimnisvolle Idee

An meine junge Zielgruppe: Gebt euch nicht auf, zieht durch, ihr habt alle Chancen. Erfolg hängt heutzutage an allem anderen als an Wissen und Intelligenz – das durfte ich diese Woche am Beispiel eines großen Podcasts lernen, dessen Gast Pferde als Fluchttiere erklären durfte und dafür ein erstauntes „Ach wirklich?“ erntete.

Und eine Idee trägt seit einem halbwachen Nachtgespräch mit mir selbst: ein fotografisches Projekt, das ich vorerst nicht nach außen geben werde. Gebrannt hat es sich jedenfalls tief ein – und mit Bildhauer und Weinexperte Uwe Kahl, der aus Berlin-Prenzlauer Berg in den schönen Ort Lassan am Peenestrom gezogen ist, habe ich heute ein richtig geiles Projekt ausgebrütet. Das hat den Tag gerettet.

Bis zur nächsten Woche – Folge 16 kommt bestimmt.

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